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13.
09.
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von Martin Tobler
Wird der Klimawandel unseren mitteleuropäischen Wald verändern? Ja. In welcher Weise? Das hätten wir gerne gewusst. Deshalb setzen sich namhafte Wissenschaftler mit diesen Fragen auseinander. Internationale Konferenzen wie Clim Tree an der ETH Zürich, zu der WSL, ETH und das Bundesamt für Umwelt geladen haben, sollen hier einen Beitrag leisten.

Nun habe ich zur letzten dieser Konferenzen an der ETH in Zürich einen interessanten Beitrag von Martin Läubli in der Basler Zeitung vom 3. September 2013 gefunden, den ich unten zitiere.

 

"So schnell stirbt der Wald nicht
Der Klimawandel wird die Wälder laut Modellen in Mitteleuropa und in der Schweiz verändern. Experimente zeigen allerdings, dass Bäume anpassungsfähiger sind als bisher angenommen.


Die Fichte ist schon viele Male totgeschrieben worden. Zahlreiche Modelle zeigen auf, dass Buchen und Eichenarten sich in Zentraleuropa angeblich immer stärker breitmachen, falls sich die Erdoberfläche in Zukunft stark erwärmt und das Klima trockener wird. In der Schweiz hätte sie nur noch in den höheren Lagen der Alpen Platz. Das ist plausibel: Fichten lieben die Trockenheit nicht.
Zwar geben solche Modelle für manche Wissenschaftler wichtige Anhaltspunkte über mögliche Entwicklungen künftiger Wälder, doch letztlich seien sie zu pauschal und wiesen einige Schwächen auf. «Es gilt nun, diese Modelle durch Experimente zu prüfen», sagte Thomas Wohlgemuth anlässlich der internationalen Konferenz Clim Tree, die derzeit an der ETH Zürich stattfindet. Für den Leiter der Gruppe Störungsökologie an der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL in Birmensdorf fehlt vor allem der Faktor Boden in den Computermodellen. «Ob die Bäume auf einem Kalkbod en oder auf einem Bündner Schiefer stehen, macht einen Unterschied.»

Buchenwald ist sensibel
So zeigen beispielsweise Studien der WSL, dass der Bodencharakter eine wichtige Rolle spielt, ob Fichten und Kiefern auch stärkere Trockenereignisse ertragen wie sie die Klimaforscher für die nächsten Jahrzehnte erwarten. Buchen zum Beispiel, das zeigt die Erfahrung, können grundsätzlich eine extreme Trockenperiode wie auch tiefe Temperaturen ohne Stress überstehen. Stehen sie jedoch auf Kalkböden, leiden sie unter Wasserknappheit und damit auch unter Nährstoffmangel. «Ein Drittel des Buchenwaldes in Mitteleuropa steht auf Kalkuntergrund», sagt Heinz Rennenberg, Baumphysiologe an der deutschen Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Würde sich die Erdoberfläche zwischen 3 und 5 Grad erwärmen, dies zeigen Computerprojektionen, wären 80 Prozent der Kalkstandorte langfristig ungeeignet für den Laubwald. Nimmt man die aktuelle globale Emissionskurve, so ist dieses Szenario nicht unrealistisch.
Die Frage nach dem Wald der Zukunft ist längst keine akademische mehr. Bereits heute beschäftigen sich auch Behörden und Waldbesitzer damit, welche Bäume für den Wald der Zukunft gepflanzt werden sollen. Waldmanager denken in Zeithorizonten von bis zu 100 Jahren. «Viele Wälder sind 100 bis 120 Jahre alt. Und es steht eine Ablösung der Generationen bevor», sagt Harald Bugmann, Professor für Waldökologie an der ETH Zürich. Doch welche Bäume werden sich am besten mit dem Klimawandel arrangieren? Die Frage sei mit grossen Unsicherheiten behaftet, sagt Bugmann.

Tipps für die wärmere Zukunft
Für Rolf Manser, Leiter der Abteilung Wald im Bundesamt für Umwelt (Bafu), ist sicher: «Es wird wärmer und trockener, und der Wald wird sich verändern.» Es sei deshalb zentral, dass Kantone und Waldeigentümer Instrumente erhalten, mit deren Hilfe sie wissenschaftliche Erkenntnisse anwenden können. Diese soll das Forschungsprogramm «Wald und Klimawandel» von Bafu und WSL liefern. Ziel ist es, in den nächsten Jahren unter anderem Empfehlungen abzugeben, welche Waldgesellschaften sich für die wärmere Zukunft eignen könnten.
Die Fichte muss dabei für die nächsten Jahrzehnte nicht abgeschrieben werden, glaubt man beispielsweise Jens Borchers, der den grossen privaten Forstbetrieb Fürst zu Fürstenberg im Schwarzwald leitet. Er setzt dort hauptsächlich auf Fichte, kombiniert mit Weisstanne und Laubholz. Borchers investiert dabei viel in die Jungwaldpflege, um die Bäume widerstandsfähiger zu machen. Zudem hat er die Umtriebszeit verkürzt: Bereits ab 60 Jahren werden die Fichten geschlagen. «Durch dieses veränderte Bewirtschaftungsmodell hat die Fichte bei Standortbedingungen mit guter Wasserversorgung trotz Klimawandel eine Zukunft», zitiert ihn die Fachzeitschrift «Wald und Holz». Waldmanagement kann entscheidend sein. Modelle von US-Forschern zeigen, dass bei entsprechender Bewirtschaftung der Faktor Klima eine kleinere Rolle spielt.

Die Renaissance der Tanne
Ein anderer Weg wäre, nach Ersatz-Baumarten zu suchen, die sich besser an ein wärmeres und trockeneres Klima anpassen können Infrage käme zum Beispiel die Douglasie. Allerdings ist dieser Nadelbaum stark feuergefährdet. Waldbrände überleben Douglasien in der Regel nicht. «Wenn es in Zukunft trockener und wärmer werden soll, ist das ein Problem», sagt ETH-Waldökologe Harald Bugmann. Er kann sich einen anderen Nadelbaum vorstellen: die Tanne. Tannenbestände gab es in der Vergangenheit auch am Mittelmeer. In Deutschland sind Waldbesitzer bereits auf den Geschmack gekommen. «In Baden-Württemberg findet die Renaissance der Tanne statt», sagt Baumphysiologe Heinz Rennenberg. Die Baumart ist ein Tiefwurzler und damit weniger anfällig gegenüber Trockenheit. Doch auch sie hat ihre Tücken. So ist die Tanne anfällig auf Wildverbiss. «Die Wildpopulation müsste reduziert werden», sagt Harald Bugmann.

Wie auch immer. Was die Wissenschaft heute weiss: je vielfältiger ein Wald ist, desto besser wird er sich an veränderte Umweltbedingungen anpassen. Darin gründet auch die Zuversicht von Rolf Manser (Bafu): «Wir haben in der Schweiz bereits eine relativ naturnahe Waldzusammensetzung.»"

 

 

 

 

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